Gemeinfrei: Wann Bücher, Bilder und Musik allen gehören
Siebzig Jahre nach dem Tod eines Urhebers werden Werke frei. Was das für Leser, Verlage und Künstler bedeutet – und warum der 1. Januar ein besonderer Tag ist.

Jedes Jahr am 1. Januar feiern Bibliotheken, Archive und Kulturbegeisterte einen stillen Feiertag. An diesem Tag werden in Deutschland Tausende Werke gemeinfrei. Romane, Gedichte, Gemälde und Kompositionen dürfen dann von allen genutzt, gedruckt und bearbeitet werden.
Siebzig Jahre nach dem Tod
Das Urheberrechtsgesetz schützt Werke nicht ewig. Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tod des Urhebers. Haben mehrere Menschen ein Werk gemeinsam geschaffen, zählt der Tod des zuletzt Verstorbenen. Die Frist wird dabei immer bis zum Ende des Kalenderjahres gerechnet. Wer also im Laufe eines Jahres stirbt, dessen Werke werden siebzig Jahre später am 1. Januar frei.
Was gemeinfrei bedeutet
Ein gemeinfreies Werk darf ohne Erlaubnis und ohne Lizenzgebühren vervielfältigt, veröffentlicht und verändert werden. Verlage bringen dann oft günstige Neuausgaben heraus, Theater spielen Stücke ohne Tantiemen, und Archive stellen Digitalisate frei ins Netz.
Wo man trotzdem aufpassen muss
Frei wird nur das ursprüngliche Werk. Eine neue Übersetzung eines alten Romans kann selbst geschützt sein, ebenso eine moderne Bearbeitung eines Musikstücks. Auch eine Tonaufnahme hat eigene Schutzrechte für die Interpreten und den Hersteller. Wer gemeinfreie Klassik nutzen möchte, braucht deshalb eine ebenfalls freie Aufnahme oder muss selbst einspielen.
Bei Fotos alter Gemälde hat der Bundesgerichtshof 2018 entschieden, dass auch die originalgetreue Fotografie eines gemeinfreien Gemäldes in der Regel Lichtbildschutz genießt. Viele Museen geben ihre Digitalisate inzwischen dennoch frei.
Unterschiede zwischen Ländern
Die siebzig Jahre gelten in der Europäischen Union einheitlich. In anderen Ländern gibt es abweichende Fristen. Ein Werk kann also in einem Land frei sein und in einem anderen noch geschützt. Wer Inhalte international nutzen möchte, sollte das im Einzelfall prüfen lassen.